Projektberichte

Buchbinde-AG (2017/18)

Einblicke in das Buchbinde-Atelier

Jeden Mittwochnachmittag treffen wir uns in der Hospedería, um gemeinsam Bücher zu binden. Wir fangen mit dem Falten der Buchseiten an, mindestens 40 sollten es für ein mittleres Buch schon sein. „So fertig“ hieß es am Anfang bereits nach den ersten 10 Seiten. Nachdem wir den Kindern sagten, dass 10 Seiten gerade einmal für ein schickes Heft reichen, aber nicht für ein richtig schönes Buch, wurden sie ehrgeizig. Es wird um die Wette gefaltet, sich gegenseitig geholfen und immer mal wieder nachgezählt, ob es schon 40 Seiten sind.

Nach gut einer halben Stunde sind die Stapel endlich komplett und wir beginnen mit dem Heften der Seiten. Mit Nadel und Faden werden die Seiten also aneinandergeheftet, Seite für Seite. Gar nicht so einfach am Anfang. Doch nach einigen Minuten sind die Kinder so flink in der Technik, dass die Seiten im Nullkommanix zusammengenäht sind. Selbst der kleine Darwin aus der zweiten Klasse ist vom Ehrgeiz gepackt und erstaunlicherweise schon nach gut einer Stunde mit dem Heften eines 80-seitigen Buches fertig. Eine Meisterleistung!

Dann beginnt der schwerste Teil des Prozesses, das Warten. Denn die fertig gehefteten Bücher müssen nun für mindestens eine Nacht unter Steinen gepresst werden. Erst danach können wir mit der Gestaltung des Einbandes und dem Verkleben der Buchseiten beginnen.

„Mi libro, mi libro“ hießt es dann jeden Mittwoch aufs neue, „Dónde está mi libro?“ An den folgenden Ateliertagen wird weiter genäht, geklebt, gemalt, gebastelt und vor allem nochmals gewartet. Immer wieder im Prozess des Buchbindens müssen einzelne Bestandteile getrocknet oder gepresst werden, bevor wir mit der Arbeit voranschreiten können.

Nach sechs langen Wochen ist es dann endlich soweit. Die Kinder können ihr Buch mit nach Hause nehmen. Einige wollen es als Notizbuch für die Schule nutzen, andere als Malbuch. Mit stolzen, strahlenden Augen nehmen sie ihr Meisterwerk den nächsten Tag mit zur Schule und zeigen ihren Freunden und Lehrern, was sie in den letzten Wochen vollbracht haben. Stolz können die Kinder aus El Salado wirklich sein, denn nach so langem Warten und so viel Geduld sind die Ergebnisse wirklich eindrucksvoll.

(Autorin: Katrin Thomsen)



Schach-AG (2017/18)

Schach spielen mit den Kindern aus El Salado

Ich habe es immer schon geliebt Schach zu spielen, also wollte ich es natürlich den Kindern des Dorfes an einem Nachmittag in der Woche beibringen.

Die ersten Reaktionen waren eher positiv, jeder betrachtete die Spielfiguren mit Neugierde, aber vor allem mit Interesse. Drei Jugendliche kannten das Spiel bereits! Ein Mädchen hat es am Computer gelernt und zwei Jungs haben es von ihrem Großvater oder Freunden gezeigt bekommen, ich bin sehr überrascht!

Ich erkläre die Bewegungen der Figuren und wir spielen die Bewegung einer jeden Figur nach, bevor wir mit dem richtigen Spiel beginnen. Es ist beeindruckend, wie schnell die Kinder lernen. Schon schnell spielen wir einige Runden und nach jedem Zug drehen sich die Kinder zu Katrin und mir, um sicher zu stellen, dass der Zug richtig war. Sobald sie selbstständig spielen können, geben wir ihnen von Zeit zu Zeit einige Ratschläge.

Dann vergehen die Wochen schnell, durchschnittlich kommen fünf bis sechs Kinder (es sind nicht immer die gleichen) zum Spielen. Zwei Monate später fragen mich einige Schüler, ob ich sie auch in der Schule unterrichten kann, da sie zu weit weg wohnen und mit Schulbussen kommen, um am Nachmittags-Programm teilnehmen zu können. Jeden Freitag werden also kleine freundschaftliche Wettbewerbe für eine Gruppe von acht bis maximal elf Personen organisiert. Einige Kinder würden gerne zu Hause spielen, also leihe ich ihnen manchmal ein Spiel für die Woche aus.

Alle Altersgruppen sind vertreten, aber was mich am meisten überrascht hat, sind die kleinen Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren: Auch sie haben mich gebeten, ihnen das Spiel beizubringen! Ich dachte, sie wären etwas zu jung, aber ich spielte mich den Kindern… und letztendlich haben sie das Spiel tatsächlich gelernt. Was für ein Vergnügen mein Lieblingsspiel mit den Kindern auf der anderen Seite des Planeten spielen zu können, welch schöne Erinnerungen!

(Autor: Barek Chajia)



Lese-AG (2016/17)

Lesen - das gilt in El Salado nicht als Freizeitbeschäftigung wie wir es kennen. Dabei wäre doch das Lesen spannender Geschichten in der Freizeit eine super Übung für den „Lengua y Literatura“ Unterricht in der Schule. Bisher haben wir noch keines der Kinder mit einem Buch gesehen, doch die Hospederia ist voll davon. Warum nicht eine kleine Bibliothek aufbauen oder zumindest den Kindern die Möglichkeit geben unsere Bücher zu lesen? Vielleicht tragen sie ein bisschen dieser Freude am Lesen in ihre Familien. So war die Idee für unsere Lese-AG geboren.

Seit diesem Zeitpunkt trafen wir uns jeden Dienstag mit einer sehr motivierten Gruppe von SchülerInnen in der Hospederia, hierbei hatte sich hauptsächlich die 8. Klasse herauskristallisiert. Zu Beginn suchte sich jedes Kind ein Buch aus, um es einfach zu lesen. Um die Geschichten auch für andere Leser interessant zu machen und andere SchülerInnen zu motivieren, erstellte jedes Kind am Ende einer jeden Geschichte eine kurze Zusammenfassung, die es mit Bildern illustrierte. Alle Zusammenfassungen sammelten wir in einem Ordner, den die Kinder bei der Auswahl ihres nächsten Buches nutzen konnten. Wir hätten niemals gedacht, dass die Kinder so gerne und ausdauernd lesen, wo sie das Lesen ja hauptsächlich als Schularbeit kennen.

Da nur Lesen auf Dauer dann doch etwas langweilig wurde, bastelten wir mit den Kindern zwischendurch immer mal wieder Lesezeichen, Bücherkisten und später sogar eigene kleine Bücher.

Das Leseprojekt fand seinen großen Abschluss bei der Vorstellung des Projektes in der Schule. Die Kinder, die an der Lese-AG teilgenommen hatten, präsentierten den anderen SchülerInnen ihr Lieblingsbuch und erzählten ihnen, warum es lohnenswert ist, es zu lesen. Die Kinder erhielten ein Zertifikat für ihre Teilnahme am Projekt, sowie ein kleines Buch als Dankeschön für ihre Präsentation.

(Autorin: Stefanie Czaika)



Welt-AG (2016/17)

Felix geht auf große Weltreise und nimmt uns mit – dies ist das Motto unserer AG „Vuelta al Mundo“.

Angefangen hatte die große Weltumrundung des kleinen Hasen Felix im kleinen Ecuador. Ein Dieb hatte ihm seine Weltarte gestohlen, in Einzelteile (Kontinente) zerrissen und versteckt. Damit unser Freund seine Reise aber trotzdem antreten konnte, haben die Kinder ihm die Karte in Form einer Schnitzeljagd wiederbracht. Mit einem großen Teller patacones gestärkt ging die Weltumrundung schließlich los. Die ecuadorianische Leibspeise hatten wir ihm anlässlich seines Abschieds als kleine Erinnerung an sein Heimatland zubereitet. Es ging über europäische Länder wie Deutschland (Backen eines Apfelkuchens), Frankreich (Tanz zum Lied „Sur le Pont d’Avignon“) und Italien (Zubereiten einer Pizza) nach Asien. Dort besuchte er zum Beispiel die Mongolei (Bau einer Jurte)und China, von wo aus er uns das Schreiben chinesischer Schriftzeichen zeigte. Anschließend hat Felix uns den Kapa Haka aus Neuseeland beigebracht und uns gezeigt, wie ugandische Chapatis und amerikanische Hamburger gemacht werden. Abgeschlossen hat er seine Weltumrundung schließlich mit dem Karneval in Brasilien. Zu diesem Anlass gestalteten wir bunte Karnevalsmasken, durch die sich der Samba-Tanz, den wir eine Woche später einstudierten, noch viel echter anfühlte.

 

Vor ein paar Wochen kam Felix dann kurz nach Hause, um seine Reise mit uns ein wenig Revue passieren zu lassen. Wir schauten uns seine Briefe und Flaggen an, die er uns aus jedem Land, das er besuchte, geschickt hatte. Oft lagen auch ein paar Fotos dabei, die sich die Kinder immer besonders gerne anschauten.

Jetzt hat er sich noch einmal auf den Weg gemacht, um die Länder Südamerikas zu erkunden. Wir sind gespannt, welche Erfahrungen und Erlebnisse er aus diesen Ländern mit uns teilen kann.

Die „Welt-AG“ bieten wir einmal wöchentlich nach der Schule für jeden interessierten Schüler an. Meist können wir uns über sechs bis zehn Kinder aus den Jahrgangsstufen drei bis acht freuen.

(Autorin: Tabea Schulze Pals)



Eine Unterrichtsstunde mit dem 5ten Kurs des Colegios (2007/08)

Kinder im Klassenraum

Immer donnerstags um 10 Uhr habe ich Englisch mit dem 5ten Kurs vom Colegio. Der Kurs besteht aus fünf Jungs: Luis, Fabián, Ángel, Fausto und César und einem Mädchen: Martha. In den letzten Wochen haben wir gemeinsam zuerst das Verb “to be” (=ser/estar) gelernt. Dazu gab es viele neue Adjektive und Substantive, um damit möglichst viel Sätze zu bilden. Es macht allen Spaß, eigene Sätze zu bilden.

Vor einer Woche kam dann das verb “to have” (=tener) dazu. Zu Hause haben alle Schüler Sätze mit den beiden Verben gebildet.

Luis liest seine Sätze vor und sucht zwei aus, um sie an die Tafel zu schreiben, damit die anderen sie lesen und mit mir zusammen verbessern können.

Als Fausto an der Tafel steht, schreibt er: ”My father is a pig”- alle lachen, nur er hat nicht gemerkt, dass er die beiden Verben vertauscht und so den Unterricht wieder etwas aufgelockert hat.

Danach habe ich den Schülern die erste Regel der Bildung von regelmäßigen Verben erklärt. Wir sind gemeinsam erst alle neuen Verben einmal durchgegangen, jeder sollte eins vorstellen. Es fällt allen immer ziemlich schwer, die Worte auf Englisch auszusprechen, aus "full" wird dann schon mal "fush" und das "father" wird zu "fater", weil sie nicht verstehen, dass manche Buchstaben einfach anders ausgesprochen werden als im Spanischen…

Als es darum ging, mit den neuen Verben Beispielsätze zu bilden, kommt Martha hinter ihrem Schal hervor und fragt: “Wie geht das jetzt, ich habe das noch nicht verstanden.” – Das war ein richtiger kleiner Erfolg für mich! Denn normalerweise verkriechen sich alle lieber hinter ihren Schals und unter ihren Hüten und schweigen einfach, wenn sie eine Antwort nicht wissen, anstatt noch mal nachzufragen.

Dass Martha es diese Mal einfach so gesagt hat, hat mich ziemlich gefreut. Nachdem ich ihr es erklärt habe, ist die Stunde auch schon wieder vorbei gewesen, es sind ja nur 40 min und alle sollen die Sätze als Hausaufgabe zu Ende schreiben.

Obwohl ich selbst erst gerade mein Abi gemacht habe und mich immer noch eher mit den Schülern als mit den Lehrern verbunden fühle, erwische ich mich oft selbst dabei, meine eigenen Leher zu verstehen. Plötzlich steht man vor der Klasse und muss Dinge erklären und ermahnen, wenn jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Obwohl es manchmal echt schwierig und frustrierend ist, erlebt man dann immer wieder Situationen, die einen wieder aufmuntern, wie heute.

(Autorin: Katharina Lütke Holz)



Spielplatzidee (2007/08)

Bei unserem Nachmittagsprogramm von 15 Uhr bis 18 Uhr haben wir bemerkt, dass die Kinder aus El Salado einen Spielplatz lieben würden. Eines Nachmittags haben wir drei eine provisorische Schaukel gebaut. Die Kinder waren völlig außer sich und man hat sie nur noch mit Mühe und Not wieder von der Schaukel runter bekommen. Danach hatten alle ein fröhliches Lächeln im Gesicht.

Das war der Anfang von der Idee einen Spielplatz für El Salado zu bauen.

Als wir César von unserer Idee erzählt haben, hat er uns mit großer Begeisterung seine Hilfe angeboten und uns sogleich das Holz für den Spielplatz gezeigt.

Nach einiger Zeit haben Kathy und ich uns mit César in Ambato getroffen, um Schrauben, Nägel und sonstiges einzukaufen. In Ambato hatten wir großes Glück, denn wir haben einen guten Freund von César getroffen, der uns seine Hilfe angeboten hat, indem er extra für uns ein paar Teile angefertigt hat.

Nun war da nur noch das Problem, wie man das Holz möglichst schnell schneidet. Verzweifelt haben wir im Dorf nahezu jeden nach einer Säge gefragt, doch alle waren entweder stumpf, rostig oder beides.

Als wir schon alle drei ziemlich verzweifelt waren, hat uns der Ingenieur, der die Kirche in El Salado gebaut hat, am Valentinstag mit einem Freund und einer Motorsäge überrascht.

Wir waren überglücklich, und nun konnten wir gar nicht mehr aufhören zu grinsen.

Ein paar Väter aus El Salado haben uns beim Holz schneiden geholfen, uns auf die Schulter geklopft und uns für unsere Arbeit in El Salado gedankt. Es war ein schönes Gefühl ein “Danke” von den Vätern zu hören.

Nach der Säge-Aktion gings plötzlich ganz schnell. Mit Hilfe einer Minga von Jugendlichen wurden die geschnittenen Holzteile zum vorgesehen Platz getragen, zur Belohnung gabs für die starken, jungen Männer Popcorn ohne Ende.

Als der Spielplatz endlich fertig war, gab´s jede Menge stahlende Kinderaugen.

(Autorin: Eva Weisner)



Ausschnitte aus dem Nachmittagsprogramm (2007/08)

“Queremos jugar, queremos jugar!”, (“Wir wollen spielen, wir wollen spielen!”), rufen die Kinder schon Stunden bevor die Türe zum Nachmittagsprogramm geöffnet wird. Jedesmal auf´s Neue muss man ihnen erklären, dass sie erst ihre Hausaufgaben erledigen sollen und dann um 15 Uhr zum Spielen wiederkommen können. Ab und an bringen sie dann auch Hausaufgaben mit, wenn sie Hilfe in Mathe oder Englisch brauchen.

Eine Attraktion war zum Beispiel das Tellerdrehen mit den Kindern. Die Teller und Tücher (zum Jonglieren) sind uns frisch aus Deutschland zugeschickt worden. Wir waren mit den Kindern draußen im Garten, haben ihnen vorgemacht, wie es funktioniert und dann sie ausprobieren lassen. Es war gar nicht so einfach die Teller zum “Tanzen” zu bringen, aber ein paar haben es nach einigen Malen geschafft. Sie waren so begeistert, dass einer der Jungen, Gonzalo, zu mir kam und mich fragte, ob es nicht möglich wäre, eine kleine Show für die Kircheneinweihung vorzubereiten. Da die Einweihung leider schon drei Tage später war, war dies aus Zeitmangel nicht möglich. Doch die Kinder arbeiten auch jetzt noch mit Elan daran, die Teller zum Drehen zu bekommen und jeder Erfolg zaubert ein Lächeln auf ihr Gesicht.

Ein anderes, für mich sehr rührendes Erlebnis war, als mich an einem Tag zwei Mädchen fragten, ob sie nicht mit mir singen könnten! An diesem Tag waren wir nur zu dritt, also Gloria, Blanca und ich, aber es hat mir gezeigt, wie viel Vertrauen sie schon zu mir gewonnen haben. Als wir hier angefangen haben zu arbeiten, hätte ich mir diese Situation nie vorstellen können, so zurückhaltend und still wie sie immer ihre Bilder gemalt haben. Jedenfalls hatten die beiden ihre Gesangsbuecher dabei und haben mir zwei Lieder auf Quechua beigebracht, während ich “Freude schöner Götterfunken” mit ihnen gesungen habe. Von der deutschen Aussprache war ich ganz begeistert!

Solche einmaligen Gelegenheiten zeigen, wie wichtig diese Aufmerksamkeit für sie ist, die sie nachmittags von uns bekommen und wie wichtig auch die Arbeit hier oben mit den Kindern ist. So schüchtern und verschlossen sie auch am Anfang zu einem sein mögen, mit der Zeit lernen sie einen kennen, bekommen Vertrauen und es kommt nicht selten vor, dass man mit dem ein oder anderen noch länger sitzten bleibt und über die verschiedensten Dinge redet.

Um mit den Kindern in Kontakt zu kommen, ist das Spielen am Nachmittag wirklich die beste Gelegenheit.

(Autorin: Anna Deinert)

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